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Der Kauf meiner neuen Hifi-Lautsprecherboxen

Unterwegs im Hifi-Dschungel

Zuallererst: Hier geht es um passive Hifi-Lautsprecher, keine Bluetooth-Boxen oder ähnliches, und zwar im erschwinglichen Preisbereich (wobei das sicher jeder anders definiert). Notwendig wurde das, da meine 26 Jahre alten Axton AX-30 Boxen leider den Geist (oder besser gesagt den Tieftöner) aufgaben. Mir ist immer noch nicht so ganz klar, wie bei einem Tieftöner die Spule kaputt gehen kann, wenn man ihn nur auf Zimmerlautstärke betreibt ...
 
Es mussten also neue Boxen her. Ich hatte mir nur wenige Wochen zuvor einen neuen Verstärker zugelegt und meinen alten Sony F535R ausgemustert (ja 1994 hat man sich halt SONY gekauft so wie sich die Leute heute Samsung kaufen). Wobei: Der CD-Player, den ich 1994 gekauft habe, ist ein Pinoneer PD-S 702. Der läuft übrigens nach 26 Jahren wie am ersten Tag! Der neue Verstärker sollte ein Marantz PM6006 werden. Als Auslaufmodell für 375€ ein echtes Schnäppchen (regulärer Preis um die 550€). Ein ordentlicher Mittelklasseverstärker. Nichts besonderes, aber er muss sich definitiv nicht verstecken. Jedenfalls war durch den neuen Verstärker auch einigermaßen festgelegt, in welchem Preisbereich sich die Boxen bewegen würden.
 
An dieser Stelle auch noch ein kleiner Kommentar zum PD-S 702: Ich habe den CD-Player über analog und digital an meinem Verstärker und kann direkt die D/A-Wandlung im PD-S 702 und dem Marantz PM6006 miteinander vergleichen. Die Digitaltachnik im Marantz (ein nicht ganz schlechter CS4398 D/A-Wandler von Cirrus Logic) ist 25 Jahre moderner, aber der PD-S 702 hält da locker mit! Für alle die es nicht wissen: "nicht ganz schlecht" ist schwäbisch und bedeutet "ziemlich gut" :-).

Ein Test nach dem andern ...

Wie immer wenn man von der Materie eigentlich nicht wirklich viel Ahnung hat fängt man mal in diversen Hifi-Foren und bei den verschiedendsten Testberichten an und versucht, sich das Fachjargon anzueignen ("kommt sehr dynamisch daher", "eine breite Bühne","nicht ganz so lebendig","tut sich mit der Geschwindigkeit schwer"). Moment, wie kann sich ein Lautsprecher eigentlich mit der Geschwindigkeit schwer tun? Naja, man muss am Anfang ja nicht gleich alles verstehen.
 
Ich möchte hier gleich mal zum Fazit der Testberichte kommen: Das übermäßige Studieren von Tests ist einigermaßen Blödsinn. Die Tests sind gut geeignet, um einen Überblick über den Markt und die verschiedenen Hersteller zu bekommen. Aber die Auswahl eines Lautsprechers erlauben sie in keiner Weise! Das fängt schon damit an, dass ein Test-Fazit für eine 200€-Box genauso lobend ausfallen kann wie das Fazit für eine 700€-Box. In der Regel wird es eben immer auch mit Rücksicht auf die Preisklasse beweret. Da ist man dann nur wenig schlauer, denn man möchte ja eigentlich wissen, ob der Extra-Sound die 500€ Wert sind. Und da gibt es nur eine Lösung: Man muss sich jede einzelne Box selbst anhören, und zwar im direkten Vergleich.
 
In Sindelfingen kann ich den Euronics Elektro Elsäßer nur wärmstens empfehlen: Das Personal ist wirklich sehr freundlich und hat durchaus auch Ahnung von der Materie. Das wichtigste aber: Es gibt einen guten Lautsprecherraum, in dem man sehr viele verschiedene Boxen direkt vergleichen kann. Und die Leute dort haben mich auch mehrere Stunden alleine in dem Raum verweilen lassen, so dass ich wirklich ausführlich jedes Boxenpaar mit den unterschiedlichsten Liedern vergleichen konnte. Angeschlossen sind die Boxen an eine Krell-Enstufe und man kann unterbrechungsfrei (!) zwischen den verschiedenen Boxen umschalten. Als Quelle kann man seine eigenen CDs mitbringen oder sich aber des dort verfügbaren Tidal-Streamings bedienen - eine gute Alternative, denn dort gibt es ja nun wirklich fast jeden Song in ausgezeichneter Qualität.

Lessons Learned

Was habe ih als Novize in den letzten Wochen so alles über Laursprecher gelernt? Zunächst mal finde ich, dass sich die Boxen eines bestimmten Herstellers recht ähnlich anhören. Das meine ich bezogen auf das allgemeine Klangbild. Als ich zum ersten Mal probegehört habe, da hatte ich mich (aufgrund der Tests :-) ) vor allem auf die Dali-Lautsprecher eingeschossen. Zur Auswahl standen insbesondere der Dali Oberon 3 und der Opticon 2. Das war auch ungefähr so die Preisklasse, in der ich gesucht habe. Zum Probehören gab es aber auch die Option 6 und Rubicon, also nochmal deutlich teurere Varianten von Dali. Leider wurde ich mit dem Klang der Dali-Boxen nicht so ganz warm. Sie klangen alle auf eine ganz bestimmte Art und Weise etwas dumpf. Besonders enttäuschend fand ich dabei die Rubicons: Der teuerste Vertreter in dem Feld war flach und konnte den Raum überhaupt nicht ausfüllen.
 
Die Boxen von B&W klangen allgemein etwas heller und fülliger, und Boxen von Focal ... nun ja, die fand ich in allen Preisklassen der Hammer. Mittlerweile glaube ich, dass diese Unterschiede Geschmacksache sind. Ich denke, es ist vergleichbar mit der Wahl z.B. zwischen Mercedes oder BMW. Beide Marken haben sehr gute Autos, sie sind aber auch sehr unterschiedlich. Ich fühle mich z.B. auf dem Sitz eines Mercedes wesentlich wohler, das BMW-Cockpit ist mir viel zu technisch. Bei Mercedes ist die Technik viel eleganter versteckt. Aber offensichtlich gibt es genügend Autofahrer, die das anders sehen oder denen andere Dinge wichtiger sind. Daher helfen einem Tests eben auch nur bedingt weiter. Oder anders gesagt: Einen Lautsprecher nach einem Test auszusuchen, ohne ihn selbst gehört zu haben, ist in etwa so, als würde man einen Fahrzeugtest lesen in dem steht: "Wir haben alle Fahrzeuge der Welt getestet und rot ist die beste Farbe!". Es hilft einfach nicht. Im Internet gibt es unzählige Testberichte und Rezensionen über die Dalis, in denen sie überschwenglich gelobt werden. "Eine Offenbarung" usw. .... meine Boxen wurden es trotzdem nicht, mir haben sie schlichtweg nicht gefallen.
 
Letztendlich bin ich bei den Regallautsprechern beim 706 S2 von Bowers & Wilkins gelandet. Ehrlichgesagt hätte ich nicht erwartet, dass mich Boxen von B&W so begeistern. Letztendlich ist ja doch eine sehr bekannte "Nobelmarke", wo einige Euros für den Namenszug draufgehen, was mir nun eignetlich überhaupt nicht wichtig ist. Auch in den (schon mehrfach erwähnten) Tests und Hifi-Foren war öfter zu lesen: Gute Boxen, aber man findet Vergleichbares für weniger Geld. Mag sein. Aber in dem oben beschriebenen Lautsprecherraum bin ich immer wieder bei den B&W hängen geblieben. Auch die auf whathifi.com in den Himmel gelobten KEF 350Q waren im Vergleich und haben zumindest mich nicht überzeugt. Obwohl mir rote Autos eigentlich gefallen, aber eher die dunklen Rottöne.
 
Bei den Regallautsprechern haben die B&W eifach alle anderen in den Schatten gestellt, einschließlich der Dali Opticon 2, die ich eigentlich kaufen wollte. Ich bin wie gesagt fest davon überzeugt, dass jemand anderes hier zu einem anderen Urteil kommen kann, wenn er beide Boxen direkt vergleicht. Es ist Geschmackssache und deswegen halte ich auch nichts davon, Boxen online zu kaufen. Die B&W erfordern gegenüber den Dalis natürlich nochmal einen etwas tieferen Griff ins Portemonnaie ... aber angesichts der Tatsache, dass solche Boxen sicher wieder 25 Jahre halten, erscheint mir das auf's Jahr gerechnet vernachlässigbar. Ich möchte schließlich nicht jeden Abend auf dem Sofa sitzen und denken "Das klingt jetzt etwas dumpf".

Oder doch eine Standbox?

Eigentlich hatte ich mich auf Regallautprecher eingeschossen, aber da ich nun schon mal in dem Lautsprecherraum war, kamen auch die Standboxen zum Test. Und ja: Eine gute Standbox ist schon nochmal eine andere Liga. Die Fülle, mit der die Musik den Raum füllt, ist einfach fantastisch. Allerdings gibt es hier auch Enttäuschungen: Der Dali Rubicon 5, mit seinen fast 1500€ (pro Stück!) ein nicht ganz billiges Gerät war wirklich enttäuschen, überraschenderweise auch im Vergleich zu den kleinen B&W 706 S2 Regalboxen, aber auch zu seinem kleinen Bruder Opticon 2. Gefühle wie "Der ganz große Abräumer" (stereoplay) oder "Ein Böxchen zum Verlieben" (Stereo) konnten die Rubicons bei mir jedenfalls nicht auslösen, da klangen die nur halb so teuren Dali Opticon 6 wesentlich besser. Vielleicht liegt das aber auch an meinen wenig audiohpilen Ohren, oder an meiner Musik. Ich halte es durchaus für möglich, dass die Rubicons bei klassischer Musik und größerer Lautstärke bei dem einen odern anderen Hörer vielleicht größere Zufriedenheit auslösen. Auch hier geht wieder nichts über das selbst vergleichen.
 
Auch die Bowers & Wilkins 603 Standlautsprecher sind mir (in einem anderen Laden) angepriesen worden. Im direkten Verlgeich im nun schon mehrfach erwähnten Lautsprecherraum konnten sie sich überhaupt nicht von den kleineren 706 S2 Regallautsprechern absetzen. Eine echte Enttäuschung, schließich tritt hier ja eine 3-Wege-Box mit zwei Tieftönern und viel Volumen gegen eine wesentlich kleinere 2-Wege-Box an.
 
Bei den Standboxen bin ich letztendlich immer wieder bei den Falcon Aria 926 hängen geblieben. Es sind fantastische Boxen. Eigentlich haben mir alle Falcon-Boxen, die dort rumstanden, sehr gut gefallen. Das bestärkt mich ein bisschen in meinem Mercedes/BMW-Vergleich: Jeder Hersteller verfolgt seine eigene Philosophie und baut ähnlich abgestimmte Boxen. Für meine Ohren passen wohl ganz allgemein Falcon und B&W ganz gut.
 
Fragt sich noch, ob mein Marantz PM6006 eine Box in dieser Größe mitmacht - einen neuen Verstärker kaufen möchte ich nicht auch noch. Es könnte gerade so passen: 40W bei 8Ohm, und angeblich sind die Watt-Zahlen bei Marantz recht ehrlich. Zum Party feiern wären die Reglboxen vermutlich besser bei dem Verstärker - es ist am Ende eben doch die "passendere" Kombination. Für die Standboxen dürfte es bei den Verstärkern dann schon eher die nächste Liga sein. Bei Marantz wäre das dann z.B. der PM8006 mit 70W bei 8Ohm. Dann kann man auch mal bedenkenlos etwas aufdrehen.

Fazit

Nicht so viele Tests lesen sondern selbst ausprobieren. Als ich damit angefangen habe, dachte ich, es wäre kompliziert. Ist es aber nicht. Man merkt sehr schnell und unkompliziert, welche Box einem zusagt und welche nicht. Und das ist das wichtigste, auch wenn es in einem Test heißt, die eigene Favoriten-Box käme bei schnellen Stücken nicht ganz hinterher ;-).